Sexual Education and contraception

 

Bericht über den Trainingsverlauf 2025 in der Voltaregion

 

Der Name wurde auf Adolescent Reproductive Health Training (ARH Training) geändert.

 

 

Teil 1 Januar/Februar 2025

 

Ich bin Freitag den gegen Abend in Accra gelandet und wir sind für das Wochenende in Ashamain, in der Nähe von Accra, geblieben. Unser lokales Team hat gemeinsam mit mir in einer Klausurtagung mein vorhandenes Skript überarbeitet und wir haben einige Kleinigkeiten verändert. Zusätzlich haben wir uns Bildmaterial mit schwarzen Menschen als Fotovorlage beschafft und so den Start des Projekts auf den Weg gebracht. Sehr befremdlich für war es mich, dass mein kurzer, sehr neutraler Absatz über Homosexualität und Diversität trotz intensiver Diskussionen komplett aus dem Skript gestrichen wurde.

 

Am Mittwoch haben wir dem gesamten oben genannten Team und zwei Teams aus weiteren Regionen sowie einigen Elternvertretern unser Programm vorgestellt. Um eine nachhaltige Schulung zu erreichen haben wir uns für nur einen Schul- und Gesundheitsbezirk (Analoga) entschieden. Unsere Initiative, das Skript wie auch das Fotomaterial wurden sehr anerkennend aufgenommen. Zusätzlich hatte ich noch ein komplettes Schulungsprogramm des ghanaischen Gesundheitsministeriums vorgelegt. Sehr interessant und spannend für uns waren die Diskussionen zwischen den Vertretern der Schulbehörde und denen der Gesundheitsbehörde, wer trägt die Verantwortung dafür, dass dieses Thema trotz der großen Dringlichkeit bisher nicht in den Unterricht implementiert wurde. Von Seiten der Gesundheitsbehörde kam der Vorwurf, sie hätten keinen Zugang zu den Schulen und den Schwestern/Pflegern sei es nicht erlaubt in den Schulen zu unterrichten.

  

Am folgenden Tag wurden Lehrkräfte, Schwestern, Pfleger sowie Schuldirektoren theoretisch und auch praktisch von uns auf ein gemeinsames Grundwissen gebracht.

 

Zu Beginn der kommenden Woche wurde dann der Unterricht in ersten Schulen durchgeführt. Die Leitung in der ersten Woche wurde vom stellvertretenden Director of Education übernommen. Ab der zweiten Unterrichtswoche von den Beauftragten für Mädchengesundheit sowie unserer ghanaischen Hebamme und einer Krankenschwester gestaltet. Ich selbst war nur begleitend anwesend, eine weiße Frau für dieses Thema wäre unangemessen gewesen und hätte vermutlich auch der Akzeptanz des gesamten Programms geschadet.

 

Wir haben uns sehr bewusst für Schulen in sozialen Brennpunkten entschieden, dort ist das Problem der Teenagerschwangerschaften besonders groß. Die Schüler*innen hatten ein diffuses nicht profundes Wissen. Das Interesse und die vielen Fragen waren beeindruckend, vor allem, wenn man bedenkt, dass die Klassengröße für so ein sensibles Thema viel zu groß war. Gerade die Themen Sexualität, Hygiene und Verhütung waren besonders interessant und wichtig für sie.

 

Bei der Abschlussbesprechung haben wir den Verlauf der letzten drei Wochen intensiv diskutiert und Veränderungen in der Durchführung festgelegt, wie z.B. kleinere Klassen, altersgerechte Einteilung (in Ghana sind die Altersstrukturen der Schüler*innen in einer Klasse völlig unterschiedlich) Lehrkräfteschulungen usw, siehe auch den Bericht des Director of Education. Im Rahmen dieser Besprechung haben wir auch die aktuellen Zahlen der Teenagerschwangerschaften ohne Ausbildung in Höhe von 19,2 % in den ländlichen Regionen erfahren. Außerdem liegt ist die Zahl der statistisch erfassten HIV-Infizierten bei 17 %. 

 

 

Ein benanntes Problem zur Fortführung des Projekts sind anfallende Transportkosten / Aufwandsentschädigung für Krankenschwestern und Pfleger, die immer mit den Lehrkräften zusammen unterrichten sollen. Gründe dafür: 

  •  Aufbau von Kontakt zur zuständigen Gesundheitsstation,  
  • Schutz der Lehrkräfte vor Anfeindungen der Eltern.

  

2.Teil November/Dezember 2025

 

Nach Gesprächen und einem intensiven Austausch mit Timo Bliss von Engagement Global und auch unseren Partnern in Ghana haben wir uns entschieden im zweiten Teil Lehrkräfte zu unterrichten. In Schwerpunktschulen wurden Lehrkräfte aus verschiedenen Schulen im Umkreis zusammengezogen und der Unterricht wurde von den jeweils stellvertretenden Schul- und Gesundheitsdirektoren sowie weiteren Mitarbeitern der zuständigen Behörden durchgeführt. Unterrichtet haben wir in den Schulbezirken Anloga, Keta und Papase.

 

Angestrebt wurde, dass aus jeder Schule zumindest eine weibliche und eine männliche Lehrkraft an unserem Unterricht teilnimmt. Die Anzahl der Lehrkräfte begrenzten wir auf 20 Teilnehmer, um einen intensiven Austausch zu ermöglichen.

 

Im Prinzip liegen alle Informationen und auch Schulungskonzepte in Ghana vor, werden aber nicht genutzt. Es fehlt vor allem an der Einbeziehung der Krankenschwestern und Pfleger, häufig aus finanziellen Gründen (Fahrtkosten, Material).

 

Krankenschwestern, Beauftragte für Mädchengesundheit waren unser begleitendes, den Unterricht durchführendes Team. Ich war begleitend dabei. Eine weiße Frau sollte aus unserer Sicht diese heiklen Themen nicht angemessen unterrichten. Immer wieder wurden wir mit der Sorge der Lehrkräfte konfrontiert, dass Eltern diese Aufklärung nicht möchten, aufgebracht sein könnten. Dem stellten sich die gut geschulten MitarbeiterInnen der Gesundheitsdirektion entgegen und boten jegliche Hilfe und Durchführung der Schulungen an. Sie bemängelten, dass sie bisher keinen Zutritt zu Schulen hatten, leider dann auch z.B. Fahrtkosten anfallen, die irgendwer übernehmen muss.

 

Schon bald kristallisierte sich heraus, dass auch den Eltern jegliches Wissen fehlt und es nicht ausreichend ist, nur Lehrkräfte zu schulen. Zum Ende der zweiten Woche wurde dann bereits einmal ein großes Treffen von Lehrkräften und Eltern einberufen, in Anwesenheit aller Offiziellen wurde eindrücklich geschult. Die Akzeptanz und Wissbegierde der Eltern war enorm. Sie bekamen Informationen zur ihrer Rolle als Vorbild in Bezug auf ihr eigenes Sexualverhalten z.B. in einem Raum mit vermeintlich schlafenden Kindern.

 

Schwerpunktthemen des Unterrichts waren:

·       Veränderungen während der Pubertät

·       Empfängnisverhütung, Priorität haben Kondome, wie nutzte ich sie richtig und hygienisch

·       Missbrauchsverhütung

·       Gesprächsbereitschaft schulen, Vertrauen zu Kindern aufbauen, damit sie sich mitteilen

 

Beeindruckend war, wie intensiv und offen Missbrauch und Fehlverhalten angesprochen wurden, wie deutlich über die gesundheitlichen und sozialen Probleme der Schwangerschaften im Teenageralter informiert wurde, sowie auch über die Gefahr von Blutaustausch zur Freundschaftsbezeugung.

  

In einem Lied dazu werden Kinder angehalten, jeglichen sexuellen Übergriff bei Eltern, Lehrkräften oder anderen Vertrauten zu melden. Die Lehrkräfte wurden zu einem vertrauensvollen, offenen Umgang mit ihren Schüler*innen ermuntert. Außerdem wurden sie gebeten, ihren Blick auf plötzliche Wesensveränderungen der Kinder zu schärfen, um sie eventuell diskret ansprechen zu können.

Maxime: Lehrkräfte dürfen nicht wegschauen.

 

Ich bin überzeugt, dass das Projekt mit geringer weiterer finanzieller Unterstützung weitergeführt werden kann, darüber sollte diskutiert werden.

   

 

Hedwig Klostermann, 22.01.2026 Köln